Abstract
Anekdotische Beobachtungen deuten darauf hin, dass Selbstdiagnosen und gewünschte psychiatrische Diagnosen bei jungen Erwachsenen zunehmen könnten, systematische Evidenz aus der klinischen Praxis ist jedoch bislang rar. In dieser Mixed-Methods-Studie wurden 93 österreichische klinische Psycholog:innen (CPs) zu ihren Erfahrungen mit diesen Phänomenen im Rahmen psychologischer Diagnostik befragt.
Die CPs schätzten die Häufigkeit sowohl von Selbstdiagnosen als auch von gewünschten Diagnosen signifikant höher ein als den neutralen Skalenmittelpunkt („keine Veränderung“), mit großen Effektstärken (beide p < .001). Am häufigsten selbst diagnostiziert oder gewünscht wurden ADHS und ASS. Patient:innen mit entsprechenden Erwartungen wurden häufig als weiblich, hochgebildet und stark online aktiv beschrieben. Viele CPs gaben an, aktiv nach den Motiven der Patient:innen zu fragen, wenn sie eine gewünschte Diagnose vermuten. Die Beweggründe für das Streben nach bestimmten Diagnosen wurden vor allem in Schuldentlastung, Identitätsbestätigung und sozialer Anerkennung gesehen, während der Zugang zu Behandlung seltener genannt wurde.
Qualitative Analysen identifizierten drei wiederkehrende Themen:
Einfluss auf den Verlauf der Diagnostik: Dazu gehören diagnosespezifisches Antwortverhalten der Patient:innen und eine eingeschränkte Offenheit für kollaborative Exploration.
Starke Reaktionen auf diagnostische Diskrepanzen: Dies umfasst emotionale Belastung, Ablehnung der Ergebnisse, Kritik an den Behandler:innen oder „Diagnose-Shopping“.
Erhöhte Anforderungen an die klinische Praxis: Insbesondere längere Diagnostikzeiten und die Herausforderung, unerwartete Ergebnisse in Feedback-Sitzungen klar und empathisch zu vermitteln.
Diese Dynamiken werden im Kontext von Online-Mental-Health-Kulturen und der symbolischen Attraktivität von Neurodivergenz diskutiert. Sie verdeutlichen, wie digitale Umgebungen sowohl die Verbreitung von Selbstdiagnosen als auch das Streben nach professioneller Bestätigung beeinflussen.
Die CPs schätzten die Häufigkeit sowohl von Selbstdiagnosen als auch von gewünschten Diagnosen signifikant höher ein als den neutralen Skalenmittelpunkt („keine Veränderung“), mit großen Effektstärken (beide p < .001). Am häufigsten selbst diagnostiziert oder gewünscht wurden ADHS und ASS. Patient:innen mit entsprechenden Erwartungen wurden häufig als weiblich, hochgebildet und stark online aktiv beschrieben. Viele CPs gaben an, aktiv nach den Motiven der Patient:innen zu fragen, wenn sie eine gewünschte Diagnose vermuten. Die Beweggründe für das Streben nach bestimmten Diagnosen wurden vor allem in Schuldentlastung, Identitätsbestätigung und sozialer Anerkennung gesehen, während der Zugang zu Behandlung seltener genannt wurde.
Qualitative Analysen identifizierten drei wiederkehrende Themen:
Einfluss auf den Verlauf der Diagnostik: Dazu gehören diagnosespezifisches Antwortverhalten der Patient:innen und eine eingeschränkte Offenheit für kollaborative Exploration.
Starke Reaktionen auf diagnostische Diskrepanzen: Dies umfasst emotionale Belastung, Ablehnung der Ergebnisse, Kritik an den Behandler:innen oder „Diagnose-Shopping“.
Erhöhte Anforderungen an die klinische Praxis: Insbesondere längere Diagnostikzeiten und die Herausforderung, unerwartete Ergebnisse in Feedback-Sitzungen klar und empathisch zu vermitteln.
Diese Dynamiken werden im Kontext von Online-Mental-Health-Kulturen und der symbolischen Attraktivität von Neurodivergenz diskutiert. Sie verdeutlichen, wie digitale Umgebungen sowohl die Verbreitung von Selbstdiagnosen als auch das Streben nach professioneller Bestätigung beeinflussen.
| Originalsprache | Deutsch |
|---|---|
| Publikationsstatus | Veröffentlicht - Nov. 2025 |
| Veranstaltung | 8. Internationale Fachtagung "Psychologische Diagnostik" mit dem Titel "Vom Stigma zum Trend" - Online, Österreich Dauer: 20 Nov. 2025 → 21 Nov. 2025 |
Konferenz
| Konferenz | 8. Internationale Fachtagung "Psychologische Diagnostik" mit dem Titel "Vom Stigma zum Trend" |
|---|---|
| Land/Gebiet | Österreich |
| Zeitraum | 20.11.2025 → 21.11.2025 |
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