Abstract
Hintergrund:
Nutzer:innen beschreiben mobile Dating-Apps häufig als süchtig machend, und die Forschung hat versucht, zwanghafte Nutzung von Dating-Apps als Form einer Verhaltenssucht zu konzeptualisieren. Das Konzept einer Online-Dating-Sucht ist jedoch weiterhin umstritten.
Ziele:
Diese systematische Literaturübersicht synthetisiert Forschung zu problematisierten Online-Dating-Verhaltensweisen mit besonderem Fokus auf (1) Definitionen und Messinstrumente problematischer Dating-App-Nutzung, (2) untersuchte negative Korrelate sowie (3) Studiendesigns.
Methoden:
Wir durchsuchten 16 Datenbanken und identifizierten 263 Einträge zu problematischem Online-Dating. Neunundzwanzig Publikationen – erschienen zwischen 2009 und 2024 – erfüllten die Einschlusskriterien und umfassten insgesamt 32 Studien zur problematischen Nutzung von Dating-Apps. Die Stichprobengrößen reichten von 64 bis 4057 Teilnehmenden, das Alter von 13 bis 80 Jahren, wobei viele Stichproben Personen im Alter von 18 bis 35 Jahren umfassten.
Ergebnisse:
Folgende Online-Dating-Verhaltensweisen wurden von Forschenden problematisiert (in absteigender Häufigkeit): Nutzung zu bestimmten Motiven (n = 10), problematische Nutzung im Sinne einer Verhaltenssucht (n = 9), bestimmte Aktivitäten oder Nutzungserfahrungen (n = 9), zwanghafte Nutzung (n = 6), ein Ungleichgewicht zwischen Online- und Offline-Interaktionen (zu viele oder zu wenige Online-Interaktionen; n = 4) sowie reine Nutzung bzw. Nutzungsfrequenz (n = 4). Selbst die Nutzung von Dating-Apps aus sexuellen Motiven oder zur Partnersuche war mit negativen Korrelaten assoziiert.
Untersucht wurden unter anderem folgende negative Korrelate: (1) Stimmung und emotionale Probleme (n = 11), (2) Ängste (n = 9), (3) Nutzungsmotive und andere Medienvariablen (n = 9), (4) unerwünschte Verhaltensweisen (n = 8), (5) Persönlichkeit (n = 8), (6) Selbstbezogene Einstellungen (n = 7), (7) Partnerwahl (n = 5), (8) Sexualität (n = 5) sowie (9) interpersonelle Korrelate (n = 4).
Methodisch enthalten die am häufigsten eingesetzten Skalen – zur Messung motivationsbasierter Nutzung und der sechs Komponenten der Verhaltenssucht – bereits Lebensprobleme in ihrer Operationalisierung problematischer Dating-App-Nutzung (z. B. Nutzung zur Ablenkung von Problemen oder Konflikte aufgrund der Nutzung). Von den 32 Studien waren lediglich drei randomisierte Experimente. Alle Befragungsstudien erhoben Dating-App-Variablen nur zu einem Messzeitpunkt (querschnittlich) und untersuchten ausschließlich Between-Person-Effekte statt Within-Person-Dynamiken.
Schlussfolgerungen:
Die Forschung wird derzeit stark von der Untersuchung von Nutzungsmotiven dominiert. Um schädliche Medieneffekte adäquat zu erfassen, sollten Mediennutzung und negative Konsequenzen getrennt gemessen werden. Viele Motivskalen sind jedoch als Bewältigung unerwünschter Zustände (z. B. Nutzung, um Probleme zu vergessen) oder zur Verstärkung erwünschter Zustände (z. B. Selbstwertsteigerung) formuliert. Ebenso integrieren Verhaltenssucht-Skalen Lebensprobleme (z. B. Konflikte durch Nutzung). Dadurch werden Prädiktoren und Outcomes konzeptuell vermischt. Zukünftige Literaturübersichten oder Meta-Analysen sollten daher nur Ergebnisse von Skalen berücksichtigen, die Mediennutzung valide von ihren negativen Folgen trennen.
Insgesamt erfordert die Forschung zu Online-Dating-Sucht – und zu Internetabhängigkeit generell – theoretisch fundierte Definitionen sowie experimentelle und longitudinale Studien, die sowohl Between- als auch Within-Person-Effekte modellieren.
Nutzer:innen beschreiben mobile Dating-Apps häufig als süchtig machend, und die Forschung hat versucht, zwanghafte Nutzung von Dating-Apps als Form einer Verhaltenssucht zu konzeptualisieren. Das Konzept einer Online-Dating-Sucht ist jedoch weiterhin umstritten.
Ziele:
Diese systematische Literaturübersicht synthetisiert Forschung zu problematisierten Online-Dating-Verhaltensweisen mit besonderem Fokus auf (1) Definitionen und Messinstrumente problematischer Dating-App-Nutzung, (2) untersuchte negative Korrelate sowie (3) Studiendesigns.
Methoden:
Wir durchsuchten 16 Datenbanken und identifizierten 263 Einträge zu problematischem Online-Dating. Neunundzwanzig Publikationen – erschienen zwischen 2009 und 2024 – erfüllten die Einschlusskriterien und umfassten insgesamt 32 Studien zur problematischen Nutzung von Dating-Apps. Die Stichprobengrößen reichten von 64 bis 4057 Teilnehmenden, das Alter von 13 bis 80 Jahren, wobei viele Stichproben Personen im Alter von 18 bis 35 Jahren umfassten.
Ergebnisse:
Folgende Online-Dating-Verhaltensweisen wurden von Forschenden problematisiert (in absteigender Häufigkeit): Nutzung zu bestimmten Motiven (n = 10), problematische Nutzung im Sinne einer Verhaltenssucht (n = 9), bestimmte Aktivitäten oder Nutzungserfahrungen (n = 9), zwanghafte Nutzung (n = 6), ein Ungleichgewicht zwischen Online- und Offline-Interaktionen (zu viele oder zu wenige Online-Interaktionen; n = 4) sowie reine Nutzung bzw. Nutzungsfrequenz (n = 4). Selbst die Nutzung von Dating-Apps aus sexuellen Motiven oder zur Partnersuche war mit negativen Korrelaten assoziiert.
Untersucht wurden unter anderem folgende negative Korrelate: (1) Stimmung und emotionale Probleme (n = 11), (2) Ängste (n = 9), (3) Nutzungsmotive und andere Medienvariablen (n = 9), (4) unerwünschte Verhaltensweisen (n = 8), (5) Persönlichkeit (n = 8), (6) Selbstbezogene Einstellungen (n = 7), (7) Partnerwahl (n = 5), (8) Sexualität (n = 5) sowie (9) interpersonelle Korrelate (n = 4).
Methodisch enthalten die am häufigsten eingesetzten Skalen – zur Messung motivationsbasierter Nutzung und der sechs Komponenten der Verhaltenssucht – bereits Lebensprobleme in ihrer Operationalisierung problematischer Dating-App-Nutzung (z. B. Nutzung zur Ablenkung von Problemen oder Konflikte aufgrund der Nutzung). Von den 32 Studien waren lediglich drei randomisierte Experimente. Alle Befragungsstudien erhoben Dating-App-Variablen nur zu einem Messzeitpunkt (querschnittlich) und untersuchten ausschließlich Between-Person-Effekte statt Within-Person-Dynamiken.
Schlussfolgerungen:
Die Forschung wird derzeit stark von der Untersuchung von Nutzungsmotiven dominiert. Um schädliche Medieneffekte adäquat zu erfassen, sollten Mediennutzung und negative Konsequenzen getrennt gemessen werden. Viele Motivskalen sind jedoch als Bewältigung unerwünschter Zustände (z. B. Nutzung, um Probleme zu vergessen) oder zur Verstärkung erwünschter Zustände (z. B. Selbstwertsteigerung) formuliert. Ebenso integrieren Verhaltenssucht-Skalen Lebensprobleme (z. B. Konflikte durch Nutzung). Dadurch werden Prädiktoren und Outcomes konzeptuell vermischt. Zukünftige Literaturübersichten oder Meta-Analysen sollten daher nur Ergebnisse von Skalen berücksichtigen, die Mediennutzung valide von ihren negativen Folgen trennen.
Insgesamt erfordert die Forschung zu Online-Dating-Sucht – und zu Internetabhängigkeit generell – theoretisch fundierte Definitionen sowie experimentelle und longitudinale Studien, die sowohl Between- als auch Within-Person-Effekte modellieren.
| Titel in Übersetzung | Problematisches Online-Dating: Eine systematische Übersicht zu Definitionen, Korrelaten und Studiendesigns |
|---|---|
| Originalsprache | Englisch |
| Publikationsstatus | Veröffentlicht - 04 Apr. 2025 |
| Veranstaltung | ÖGPP Kongress 2025 - Vienna, Österreich Dauer: 04 Apr. 2025 → 04 Apr. 2025 |
Konferenz
| Konferenz | ÖGPP Kongress 2025 |
|---|---|
| Land/Gebiet | Österreich |
| Ort | Vienna |
| Zeitraum | 04.04.2025 → 04.04.2025 |
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